Ein Gebäude für die Ausstellung „Topographie des Terrors“

…ohne Einleitung…, wir betreten den Ort.

Das Gelände kann von jeder Seite betreten werden. In seiner Erscheinung ist er ein Ort mitten in der Stadt Berlin, der durch die Bruchstücke seiner Geschichte geprägt ist. Nichts Besonderes im ersten Augenblick. Eine Brache, derer sich die Natur nach und nach wieder bemächtigt hat, Versatzstücke verschiedener Zeiten. Fast wahllos erscheint die Ansammlung dieser Spolien unserer jüngeren Vergangenheit.

Topographie des Terrors

Offener
Realisierungswettbewerb:
Berlin
2005

Ein Gebäude für die Ausstellung „Topographie des Terrors“

…ohne Einleitung…, wir betreten den Ort.

Das Gelände kann von jeder Seite betreten werden. In seiner Erscheinung ist er ein Ort mitten in der Stadt Berlin, der durch die Bruchstücke seiner Geschichte geprägt ist. Nichts Besonderes im ersten Augenblick. Eine Brache, derer sich die Natur nach und nach wieder bemächtigt hat, Versatzstücke verschiedener Zeiten. Fast wahllos erscheint die Ansammlung dieser Spolien unserer jüngeren Vergangenheit. Die Reste der Berliner Mauer verweisen am deutlichsten auf einen Teil der Geschichte dieses Gebietes, als Sinnbild einer Teilung der Welt in zwei gesellschaftlich völlig unterschiedliche Systeme.
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Ein Gebäude für die Ausstellung „Topographie des Terrors“

…ohne Einleitung…, wir betreten den Ort.

Das Gelände kann von jeder Seite betreten werden. In seiner Erscheinung ist er ein Ort mitten in der Stadt Berlin, der durch die Bruchstücke seiner Geschichte geprägt ist. Nichts Besonderes im ersten Augenblick. Eine Brache, derer sich die Natur nach und nach wieder bemächtigt hat, Versatzstücke verschiedener Zeiten. Fast wahllos erscheint die Ansammlung dieser Spolien unserer jüngeren Vergangenheit. Die Reste der Berliner Mauer verweisen am deutlichsten auf einen Teil der Geschichte dieses Gebietes, als Sinnbild einer Teilung der Welt in zwei gesellschaftlich völlig unterschiedliche Systeme. Eine direkte Folge des zweiten Weltkriegs und der Terrorspur, die ausgehend von Deutschland und speziell von diesem Ort Europa und die ganze Welt durchzogen hat. Nach und nach erschließen sich einem die Zusammenhänge.
Erst auf den zweiten Blick erkennt man den Unterschied zu anderen ähnlich anmutenden Straßenzügen dieser Stadt. Unter dem dünnen Kleid der wild gewachsenen Vegetation entdeckt man das Bemühen, diesem Ort einen Teil seiner Geschichte abzuringen, gegen die ständig wirkende und nie nachlassende Kraft der Natur und der Zeit diesen Raum für sich wieder einzunehmen und zu überformen. Hier wird in direkter Analogie die Energie deutlich, die von uns gefordert ist, um uns unsere
Geschichte aus dem Dickicht vergangener Zeiten immer wieder neu zu erarbeiten.
Die übrigen Bruchstücke sind nicht so deutlich lesbar wie die Mauerreste der Berliner Mauer. Der Bau der Kunstgewerbeschule steht in keinem Bezug zu dem nationalsozialistischen System und seinen von dort aus geplanten Verbrechen.
Die Positionierung des neuen Dokumentationszentrums ist bewusst von den Rändern des Grundstücks weggerückt. Jeder Zugang lässt zunächst die geschichtlichen Versatzstücke für sich sprechen. Orte, deren Bedeutungen sich nicht unmittelbar erschließen. Fragen entstehen. Erst durch die Ergänzung und Information wird ein geistiger Raum durchdringbar, der einem ermöglicht, das Vorgefundene zu verstehen.
Zwischen dem Martin-Gropius-Bau und dem Ausstellungsgebäude befindet sich der Haupteingang. Diesen erreicht man sowohl über die Stresemannstraße, als auch über die Niederkirchnerstraße. Auf dem Weg zum westlichen Eingang durchläuft man den Bereich des Küchenkellers und des Bodendenkmals. Von Norden her kommend kann das Gelände über den ehemaligen Gehweg der Prinz-Albrecht-Straße 8 und später von einer beliebigen Seite aus betreten werden. Von Osten her läuft man an den Fundamentresten des Prinz-Albrecht-Palais und den Resten des Luftschutzgrabens vorbei.
Das gesamte Gelände soll weiterhin durch den Prozess bestimmt werden, der es seit Jahrzehnten mit Energie auflädt. Nur die Bereiche, die geschützt werden müssen, werden entsprechend der Vorgaben des Auslobers gesichert. Die übrigen Flächen werden nicht mit Gehwegen ergänzt oder gestaltet. Der scheinbar unbekümmerte Eindruck einer Brache mitten in der Stadt steht in stärkstem Kontrast zu der minutiös geplanten Ermordung von Menschen, die von diesem Ort ausging.
Hier entsteht ein Spannungsfeld, das aufmerksam macht und nach Antworten sucht. Hierüber wird ein Bezug zu der Situation seit dem Frühjahr 1933 geschaffen, als Hermann Göring den Sitz der Geheimen Staatspolizei hier einrichtete. Hinter der harmlosen Fassade einer Kunstgewerbeschule wurden ab diesem Zeitpunkt die Terrorspuren durch Europa geplant und organisiert.
Die Vegetation zieht immer wieder einen Schleier des Vergessens über das Gelände. Wird sind aufgefordert, uns diesen Raum und seine Geschichte stetig aufs Neue zu erarbeiten und zu erhalten. In diesem Prozess, in dieser offenen Wunde liegt das Sinnbild des Ortes. Die Einfriedung soll nach Möglichkeit nicht unmittelbar an der Grundstücksgrenze liegen und muss so ausgebildet werden, dass das Gelände von jeder Seite in seiner Wirkung erhalten bleibt.
Der Neubau versteht sich als Teil dieses Gefüges und versucht zwischen dem Martin-Gropius-Bau, zu dem er in seiner Grundfigur und Volumetrie die Nähe sucht, und den Überdachungen für die Bodendenkmäler zu vermitteln. Ein neuer Bestandteil in diesem Gefüge, der sich konzentriert und möglichst wenig Fläche des Geländes für sich in Anspruch nimmt. Dies geschieht jedoch mit einer eigenständigen Gestalt, die zwischen der Bedeutung der Aufgabe dieses Gebäudes und einer Zurückhaltung
dem Ort gegenüber vermitteln will. Ein weiterer Baustein der zum Verständnis dieses Ortes beitragen soll.
Er gliedert sich in vier Volumina, die durch ihre Stellung und Beziehung zueinander ein Ganzes ergeben. Vier Bruchstücke und ein fehlendes Element ergänzen das Gelände der Topographie des Terrors.
Aus jedem dieser Baukörper heraus ergeben sich neue Blickwinkel auf das bereits Gesehene. Der Besucher erhält ständig neue Ein- und Ausblicke auf das Gelände. Die Ausstellung und das Gelände stehen in einem ständigen Austausch.
Im Folgenden ist mit „Raum“ das komplexe Gleichgewicht einer gedanklichen Welt gemeint, die nur als Gesamtheit aller Eindrücke verstanden werden kann. Ein Gedankengebäude entsteht, das durch die physisch-räumliche Erfahrung unterstrichen wird. Jeder Raum konzentriert neue Gedanken und verändert die Sichtweise.
Das Gebäude ist im Erdgeschoss von jeder Seite zugänglich und einsehbar. Die Stützen definieren die Grenzen des Baukörpers, lassen aber auch den Außenraum an jeder Seite in das Gebäude einfließen. Die Räume erhalten eine Definition ohne sich nach innen zu konzentrieren. Mensch und Raum, Ausstellung und Gelände stehen in einem sich ständig verändernden Verhältnis. Im Inneren entsteht ein Gesamtraum. Hier definieren die Stützen die Zonen unterschiedlicher Funktion. Jedes Volumen
ist durch weiße Vorhänge abteilbar und damit veränderbar in seiner Beziehung zum Außen- und Innenraum. Über die Treppentürme gelangt man in das Zwischengeschoss, in dem sich die Cafeteria befindet. Ein Umgang ermöglicht es, auf das bereits Gesehene zurückzublicken. Im zweiten Obergeschoss befinden sich die weiteren Räume der Dauerausstellung und der Bibliothek. Die Bibliothek ist bewusst Teil dieser Ebene, um den Besucher über den Rahmen der Ausstellung hinaus zur Vertiefung der gewonnenen Eindrücke einzuladen. Im Kontrast zu dem Erdgeschoss, in dem der Besucher einem sich verändernden, fließenden Raum gegenübersteht, erfährt er im Obergeschoss eine räumliche Konzentration und gerichtete Blicke auf das Gelände. Die Übergänge zwischen den Räumen verdeutlichen somit auch die Veränderung des eigenen Bewusstseins.
Auf dieser Ebene ist es möglich, auf eine Terrasse herauszutreten, das Gelände in einer freien Bewegung um die Baukörper herum zu betrachten und in Beziehung zu dem bereits Gesehenen zu setzen. In den oberen Geschossen befinden sich die Seminarräume, das Archiv und das Institut. Alle Bereiche sind unabhängig voneinander über die Treppentürme erreichbar.
In seiner materiellen Erscheinung soll das Gebäude mit dem Ort verbunden erscheinen.
Gleichzeitig wird eine Atmosphäre gesucht, die dem Besucher die gewünschte Ruhe und Zurückhaltung vermittelt. Die Außenwände bestehen aus Ziegeln, die hell geschlemmt werden, im Inneren sind die Wände weiß verputzt. Die Fenster sollen mit Eichenholzrahmen versehen werden, die Böden werden mit Gussasphaltestrichen ausgebildet. Einfache Materialien, die in ihrer Erscheinung nichts Aufdringliches besitzen und einen ruhigen Raumeindruck vermitteln. Es entsteht somit ein Gebäude, das einen in seiner konzentrierten Art einen eigenständigen, räumlichen Rahmen für die Ausstellung schafft.

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